Vijayawada im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh ist eine Stadt mit vielen Straßenkindern. Dadurch, dass die Stadt ein Eisenbahnknotenpunkt ist, stranden täglich etwa 25- 30 neue Kinder aus dem ganzen Bundesstaat aber auch aus Nachbarstaaten in den Straßen Vijayawadas. Viele der Kinder wurden massiv misshandelt, zu Kinderarbeit gezwungen oder sind nach dem Tod der Eltern allein geblieben. Die meisten Kinder sind Schulabbrecher/innen während einige nie die Möglichkeit hatten, zur Schule zu gehen. 10.000 Kinder, davon 90% Buben, leben Schätzungen zu Folge in der Situation Straße.
Pater Thomas Koshy ist Direktor der von den Salesianern Don Boscos geleiteten Organisation Navajeevan Bala Bhavan. Der Name der Organisation bedeutet „neues Leben“. Ihr Ziel ist die Unterstützung und Förderung von Kindern in schwierigen Lebenslagen.
Der erste Kontakt zu betroffenen Kindern wird auf der Straße durch Sozialarbeiter/innen und auch durch ehemalige Straßenkinder aufgenommen. Das Zentrum der Organisation hat Tag und Nacht geöffnet – es bietet Beratung und Verpflegung. Nach einer Kurzbetreuung im Zentrum und ausführlichen Gesprächen mit dem betroffenen Kind, können annähernd 50% wieder mit ihren Familien vereint werden. Von den Kindern, bei denen eine Familienrückführung nicht möglich ist, bleiben 15-20% im Zentrum oder besuchen Re-Orientierungskurse, einige gehen zurück auf die Straße, bleiben aber meist mit dem Zentrum in Kontakt. Für diejenigen, die keine Chance haben, zu ihren Familien zurückzukehren, da sie Waisen oder Halbwaisen sind, vom Stiefelternteil nicht angenommen werden oder auch Opfer von häuslicher Gewalt oder Missbrauch wurden, wird ein langfristiger Rehabilitierungsprozess ausgearbeitet, um sie gemäß ihren Fähigkeiten und Anlagen bestmöglich zu fördern.
Nach einer ersten Re-Orientierungsphase ist für jüngere Kinder das Zentrum Chiguru („Neustart“) gegründet worden. Das Kinderzentrum liegt außerhalb von Vijayawada, nahe dem Fluss Krishna. Kinder der Schulstufen 1 – 7 werden hier eine längere Zeit unter familienähnlicher Betreuung untergebracht und besuchen die nahegelegene öffentliche Grundschule. Einige der Kinder besuchen zuerst Überbrückungskurse, damit sie nach etwa drei Monaten in die Regelschule integriert werden können.
Etwas ältere Kinder übersiedeln in die private Atmosphäre von Pflegefamilien und haben dadurch die Chance auf individuelle Förderung.
Durch Mittel der Dreikönigsaktion können 100 bis 150 ehemalige Straßenkinder pro Jahr in einem solchen familiären Kontext in Geborgenheit aufwachsen und Schulen oder Ausbildungen besuchen.
Für Navajeevan sind derzeit 149 hauptamtliche und rund ebenso viele ehrenamtlichen MitarbeiterInnen tätig. Das Ansehen der Organisation ist in ganz Andhra Pradesh sehr hoch. Pater Koshy erzählte, dass sie in den letzten Jahren ca. 28.000 Straßenkinder betreut haben und davon etwa 14.000 wieder in ihre Ursprungsfamilie reintegriert werden konnten.
Projektnummer: D10/21
Homepage der Organisation: http://www.njbb.org/
16-minütiger Film über die Arbeit von Navajeevan
