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Belo Monte

Die Lebensader Xingu darf nicht abgeschnürt werden!

Im Zeichen von „Fortschritt“ und „Entwicklung“ wird die brasilianische Regierung am Xingu-Fluss das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt errichten. Die finanziellen, ökologischen und sozialen Kosten dafür sind enorm und in hohem Ausmaß ungewiss. Die rücksichtlose Vorgehensweise der Regierung und die Missachtung verfassungsmäßiger Rechte der betroffenen Bevölkerung – vor allem der indigenen Völker des Xingu -  ließen viele Beobachter/innen Parallelen zur Zeit der Militärdiktatur ziehen. Die Dreikönigsaktion stellt sich auf die Seite der Betroffenen und übt Kritik an „Belo Monte“. 

In einem Video (9 Min.) unserer Partnerorganisation MAB (Bewegung von Staudammbetroffenen) kommen Betroffene des Projekts selbst zu Wort:

Ein problematisches Projekt mit Vorgeschichte

Die Pläne für das Mammut-Projekt stammen noch aus der Zeit der Militärdiktatur. Aufgrund der massiven Proteste der betroffenen Völker des Xingu – mehr als 28 ethnische Gruppen leben in der Region – zog sich im Jahr 1989 die Weltbank aus dem Projekt zurück, was das vorläufige Aus bedeutete. Bereits damals setzte sich Dom Erwin Kräutler als der Bischof der Prälatur Xingu und Präsident unserer Partnerorganisation CIMI (Indianermissionsrats der brasilianischen Bischofskonferenz) für die Rechte der indigenen Völker ein. Er ist auch heute eine der Symbolfiguren des Widerstands gegen das von der Regierung Lula als Schlüsselprojekt des ambitionierten „Programms zur Beschleunigung des Wachstums“ wieder aufgegriffenen Projekts.
Für das weltweit drittgrößte Wasserkraftwerk soll eine Fläche von 668 km2 (fast die gemeinsame Fläche von Bodensee und Neusiedlersee) überflutet werden, mindestens 20.000  Menschen sollen zwangsumgesiedelt werden und 200 Millionen m3 Erdreich sollen bewegt werden (mehr als für den Bau des Panama-Kanals nötig war). Doch es gibt Zweifel an der technischen Sinnhaftigkeit des Projekts: Die Wasserführung des Rio Xingu ist hochgradig unbeständig. Die Nennleistung des projektierten Kraftwerks von 11 Gigawatt könnte daher voraussichtlich nur drei bis vier Monate im Jahr erbracht werden. Lediglich eine Leistung von 4,4 Gigawatt gilt als gesichert. Um eine konstante Leistung zu sichern, müssten noch weitere Kraftwerke gebaut werden.

Christian Brüser gestaltete den folgenden Beitrag für das ORF-Magazin Thema, der am 16.5.2011 auf ORF2 ausgestrahlt wurde. Mit freundlicher Genehmigung des Gestalters dürfen wir den Beitrag veröffentlichen.

Bischof Kräutler: Amazonien darf nicht untergehen. from Dreikönigsaktion der Kath. Jung on Vimeo.

Dramatische Auswirkungen auf Menschen und Natur
Die Region „Volta Grande“ (große Schlinge) des Xingu wird durch den Bau des Kraftwerks praktisch trocken gelegt.  „Belo Monte“ wird auf einer Strecke von hundert Kilometern Wasserfälle, Stromschnellen und natürliche Flussläufe zerstören und verändern. Die Nebenflüsse des Xingu werden austrocknen und die Menschen, die vom Fischfang und von kleinstrukturierter Landwirtschaft leben, werden ihrer Lebensgrundlage beraubt. Aber nicht nur sie würden durch „Belo Monte“ verlieren, sondern die gesamte Menschheit: Viele der Fisch-, Vogel- und Säugetierarten gibt es nur hier und sie würden unwiederbringlich verloren gehen. 
Trotz der gravierenden Auswirkungen auf ihren traditionellen Lebensraum und ihre Lebensweise hatten die Hauptbetroffenen – den indigenen Völker der Region – noch in keiner einzigen offiziellen Anhörung die Möglichkeit, sich über das Projekt zu informieren und ihre Bedenken und Einwände vorzubringen. Dies stellt eine klare Verletzung der brasilianischen Verfassung und internationaler Abkommen zum Schutz der Rechte der Indigenen Völker dar. Auch die brasilianische Bischofskonferenz kritisierte, „dass die Flussbevölkerung und indigene Gemeinschaften, die in der Region des Xingu leben, keine ‚wirkliche Gelegenheit’ hatten, die Angelegenheit zu debattieren.“ Ein Menschenrechtsbericht spricht von „schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen“.

Wer profitiert von „Belo Monte“?
Ob das Projekt tatsächlich Fortschritt und Wohlstand in die Region  bringen wird, wie von der Regierung bei jeder Möglichkeit betont wird, muss angezweifelt werden. Großteil des von „Belo Monte“ produzierten Stroms wird in exportorientierten Industrieunternehmen, etwa zur Aluminium-Produktion, eingesetzt werden. Schon jetzt zahlen die energieintensiven Industrien nur ca. ein Drittel des für Haushalte üblichen Stromtarifs. Die arme Bevölkerung subventioniert somit die Industrie. Die Bischöfe des Bundesstaats Pará kritisieren das Projekt und das dahinterliegende Entwicklungsparadigma der Regierung Lula, das jene „privilegiert, die die politische und wirtschaftliche Macht im Land besitzen“. Die angestrebte Entwicklung habe nicht soziale Gerechtigkeit zum Ziel, sondern implementiere ein „unterdrückendes Entwicklungsmodell“.
 
Auch Österreich ist involviert
Leider wird mit dem Anlagenbauer Andritz AG auch ein österreichisches Unternehmen zu den Profiteuren des Unrechtsprojekts „Belo Monte“ gehören: In einem Konsortium mit der deutschen Voith-Siemens und der französischen Alstom wird Andritz laut Ankündigung vom 14.2.2011 für rund 330 Mio. Euro Turbinen, Generatoren und andere technischer Ausrüstung liefern. Bischof Erwin Kräutler machte diesbezüglich klar: „Dieses Projekt [Belo Monte] ist ein Verbrechen an der Natur und an den Menschen. Die Andritz AG darf sich auf keinen Fall daran beteiligen.“ Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar hat sich gemeinsam mit 32 anderen Organisationen und Gruppen in einem Brief an das Unternehmen gewandt und darum ersucht, von einer Beteiligung Abstand zu nehmen. 

  • Detailliere Informationen in unserem Fact Sheet.
  • Sammlung weiterer Infos und Materialien hier…
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