Kleine katholische Minderheiten in Ländern wie Bangladesch, China oder Myanmar haben es schwer zu überleben. Unter anderem fehlt es an guten Ausbildungskursen. Daher unterstützen die Steyler Missionare und die Dreikönigsaktion auf den Philippinen ein Ausbildungszentrum für asiatische Ordensleute, Priester und Laien aus diesen Ländern.
Ein Lokalaugenschein.
Von P. Franz Helm SVD
„Nach Tandang Sora wollen Sie?“ Zweifelnd mustert mich der Taxifahrer. Wie ich später mitbekomme, ist es eine schillernde Adresse, wo das Institut for Consecrated Life in Asia (kurz: ICLA) angesiedelt ist. In diesem Teil der Megastadt Manila liegt auch der Sitz der größten einheimischen Freikirche, der Iglesia Ni Cristo, mit einer riesigen Basilika und der New Era University. Das ist die Kaderschmiede der politisch einflussreichen Sekte. Das Institutsgebäude des ICLA ist viel bescheidener. Eine kleine Tafel am Straßenrand weist auf das Ausbildungszentrum hin. Genauso unscheinbar ist ein muslimisches Viertel, das unweit vom ICLA liegt. Man muss schon ein Stück in eine Sackgasse hineingehen, um die kleine Moschee zu sehen. Immer, wenn es im Süden des Landes zu Anschlägen durch die Moro-Rebellen kommt, durchkämmt die Polizei das Gebiet auf der Suche nach Terroristen. Das macht Schlagzeilen. Dass unweit davon das ICLA auch Personen beherbergt, die in ihren Heimatländern mitunter als Rebellen gelten, ist wenig bekannt. Es sind über 180 Priester, Ordensbrüder und Ordensfrauen aus Ländern wie China, Vietnam, Myanmar oder Bangladesch, die hier einen Ausbildungskurs machen.
Unterstützung für Minderheitenkirchen
Gegründet wurde das Institut 1997 von den Claretiner-Missionaren, die zuvor schon in Rom und Madrid Institute für die Ausbildung in Ordensspiritualität hatten. Bei seinem Generalkapitel 1994 beschloss der Orden, dieses Engagement auf Asien auszudehnen. Die Initiative schlug ein. Manila entpuppte sich als idealer Ausbildungsort, weil das Studium hier viel kostengünstiger ist als in anderen Instituten in Europa oder Nordamerika. Die Philippinen sind ein mehrheitlich katholisches Land mitten in Asien, mit vielen Universitäten und Bildungseinrichtungen. So sind ein förderliches Umfeld und kompetentes Lehrpersonal garantiert. Ganz anders ist die Situation in Ländern wie Myanmar, wo Peter, ein Priester und Student am ICLA, herstammt. Er erzählt: „Bei uns ist die Katholische Kirche eine kleine Minderheit. Sie verfügt kaum über Infrastruktur. Sogar die Einfuhr christlicher Bücher ist verboten. Es gibt wenige Professoren und Ausbildungsleiter, keine theologischen Fakultäten oder Institute.“ In manchen anderen Ländern Asiens ist die Situation ähnlich. Daher stoßen die Kurse, die am ICLA angeboten werden, auf großes Interesse. Sie werden auch vom Vatikan äußerst geschätzt, weil sie eine ganz wichtige Unterstützung für die Kirche in Asien darstellen. Die Dreikönigsaktion, Hilfswerk der Katholischen Jungschar in Österreich, ermöglicht durch Stipendien 30 Studentinnen und Studenten am ICLA die Ausbildung.
Die Mission neu verstehen
Elias, ein Priester aus Bangladesch, ist einer davon. Die Situation in seiner Heimat schildert er so: „Bei uns machen wir Katholiken nur ein Prozent der Bevölkerung aus. Wir bemühen uns um gute nachbarschaftliche Beziehungen zur muslimischen Mehrheit. Das ist überlebensnotwendig.“ Mit strahlenden Augen erklärt er, warum das Studium am ICLA für ihn so wichtig ist: „Hier entdecke ich Anknüpfungspunkte für den Dialog mit meinen andersgläubigen Landsleuten.“ Vor allem P. Edgar Javier, ein Steyler Missionar, der am ICLA das Fach Missionswissenschaft unterrichtet, ist Elias und seinen Kolleginnen und Kollegen dabei eine große Hilfe. P. Edgar hat früher auf der Pazifikinsel Samoa unterrichtet. „Dort hab ich gelernt, ohne Hilfsmittel wie Tafel und Powerpoint auszukommen“, erzählt er schmunzelnd. Am ICLA hat er zwar eine Tafel, aber am liebsten erzählt er anschaulichen Geschichten. Ich bin bei einer Vorlesung dabei, wo es um das Wesen der Mission geht. P. Edgar erklärt: „Mission hat mit Heilung zu tun. Wir müssen entdecken, wo die Menschen der Heilung bedürfen.“ Und er erzählt von zwei japanischen Steyler Missionaren, die im Norden der Philippinen arbeiteten. Die Leute lehnten sie schroff ab. Die beiden Missionare litten darunter und fragten sich, was wohl die Ursache dafür sei. Schließlich erfuhren sie, dass während des Zweiten Weltkrieges japanische Soldaten genau in dieser Gegend viele Gräueltaten begangen hätten. Von da an versuchten sie das anzusprechen und Wege zu finden, dass die Wunden der Vergangenheit verheilten. Die anfängliche Ablehnung wurde zur Chance, die Unheilsgeschichte in der christlichen Gemeinde aufzuarbeiten. Ein Miteinander von Menschen aus verschiedenen Völkern und Kulturen konnte wachsen.
Miteinander missionarisch Kirche sein
In Verschiedenheit miteinander zu leben, das ist alltägliche Erfahrung am ICLA. Beim Studieren und beim Essen, bei kleinen Haushaltsarbeiten und in der Liturgie wächst dieses Miteinander. Einmal in der Woche wird die Hl. Messe von der Studentengruppe eines bestimmten Landes gestaltet. Während meines Besuches wurde der indonesische Nationalfeiertag gefeiert, mit indonesischen Trachten und Flagge bei der Messe, und alle feierten mit.
An einem Abend wurde ein Film über die Dreikönigsaktion gezeigt. Die Studentinnen und Studenten zeigten sich tief beeindruckt als sie sahen, wie eine Sternsingergruppe in Wien bis spät in die Nacht an Wohnungstüren klopft, die Weihnachtsbotschaft verkündet, einen Segen an die Türen schreibt und Geld sammelt. „So wird also das Geld für mein Stipendium aufgebracht! Unglaublich, da steckt ja der Einsatz von Kindern dahinter!“, rief Sr. Fan aus China aus und versprach: „Jetzt werde ich noch eifriger studieren!“ Später erzählte sie mir von neu gewonnen Einsichten, die sich nach China mitnimmt: „Offen den Glauben verkündigen geht bei uns nicht. Aber soziale Dienste sind möglich. Auch das ist Mission! Das habe ich hier am ICLA bei P. Edgar gelernt.“ So entwickeln sich am ICLA neue Einsichten für die Sendung der Kirche in Asien. Mit Gottes Hilfe wird das zum Überleben der Kirche beitragen und noch reiche Früchte bringen.
