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Gewalt gegen Indigene in Peru

Die Lebensgrundlagen von indigenen Völkern im Amazonasgebiet sind von der zunehmenden Rohstoff-Ausbeutung durch transnationale Konzerne bedroht.

Gesetze für Multis

Im Juni 2008 wurde im Zusammenhang mit dem Freihandelsabkommen zwischen Peru und den USA eine Reihe von Gesetzen verabschiedet, um Öl-, Bergbau- und Holzunternehmen sowie Investoren den Zugriff auf die natürlichen Ressourcen des südamerikanischen Landes zu erleichtern und Anreize für deren Tätigkeiten zu schaffen. Indigene VertreterInnen sind seither um Gespräche mit der Regierung bemüht und setzen sich für eine Rücknahme dieser Gesetze ein. Sie verweisen dabei auf das von Peru Mitte der 1990er Jahre ratifizierte Abkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), das den indigenen Völkern ein Mitbestimmungsrecht über die Nutzung des Bodens und der natürlichen Ressourcen einräumt.

Indigene im Aufstand

Nachdem die Bemühungen der Indigenen über Monate hinweg erfolglos blieben und von den PolitikerInnen eine neuerliche Diskussion der Gesetze ständig verzögert wurde, protestieren die indigenen Völker im Amazonasgebiet von Peru seit April intensiv gegen die Politik der Regierung. Seit Generationen von den Regierungen im weit entfernten Lima vernachlässigt, haben sie wichtige Verbindungsstraßen blockiert, um die Rücknahme der Gesetze zu fordern, die gegen ihre Rechte an Grund und Boden verstoßen. Daraufhin hat die peruanische Regierung in mehreren Provinzen im Amazonasgebiet für 60 Tage den Notstand ausgerufen. Es wurden Militär- und Sondereinheiten der Polizei entsandt, um die friedlichen Proteste gewaltsam zu unterdrücken und die Interessen der großen ausländischen Konzerne zu schützen.

Eskalation des Konfliktes

Am 5. Juni 2009 kam es zur Eskalation. Bei der Stadt Bagua im Norden von Peru wurde eine Straßenblockade durch die Polizei gewaltsam aufgehoben. Berichten zufolge griffen Polizeikräfte die Mitglieder indigener Gruppen aus der Luft sowie am Boden mit Tränengasbomben und Schusswaffen an. Die gewaltvollen Auseinandersetzungen hatten Dutzende von Toten und über 100 Verletzte zur Folge, über die Anzahl der Todesopfer auf beiden Seiten gibt es unterschiedliche Angaben. Dieses Massaker ist der traurige Höhepunkt des Konfliktes. Präsident Alan García hatte die Gewaltanwendung gerechtfertigt: Es sei an der Zeit, die Ordnung wieder herzustellen.

Aufruf der Kirche

Der Vorsitzende der Peruanischen Bischofskonferenz und die Ombudsbehörde haben noch am Tag des Massakers öffentlich aufgerufen, die gewaltsamen Handlungen zu stoppen und einen friedlichen Dialog aufzunehmen:

Aufruf des Vorsitzenden der Peruanischen Bischofskonferenz und der Ombudsbehörde (Defensoría del Pueblo) anlässlich der Gewalttaten im peruanischen Amazonastiefland.

– Schluss mit der Gewaltanwendung! –

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz Perus und die staatliche Ombudsfrau bedauern zutiefst die heftigen Ausschreitungen, zu welchen es im Departement Amazonas, insbesondere in den Städten Bagua Chica und Bagua Grande, kam und die den Tod von mehreren Zivilisten und Polizisten, sowie eine große Zahl an Verletzten zur Folge hatten.

Das Leben ist derart wertvoll, dass es unter allen Umständen geschützt werden muss. Dies gilt sowohl für die indigenen Gemeinschaften unseres Landes, welche von Seiten des Staates bisher wenig Beachtung fanden, als auch für jene Menschen, die unter Ausübung ihrer konstitutionellen Pflichten die öffentliche Ordnung wiederherzustellen suchen.

Wir rufen nachdrücklich zur Besinnung auf und fordern, dass die Auseinandersetzungen sofort gestoppt werden. Alle Verletzten und jene Personen, die sich nach wie vor in einer bedrohlichen Situation befinden, müssen ohne Unterschied versorgt werden können und man muss so schnell als möglich wieder zum Dialog zurückkehren, den man eigentlich niemals hätte verlassen dürfen. Er muss der einzige Weg zur friedlichen Beilegung des aktuellen Konfliktes sein.

Im Bewusstsein, dass wir menschliches Leben und die grundlegenden Rechte schützen müssen, rufen wir die Behörden und Verantwortlichen dazu auf, sich für Dialog und Frieden einzusetzen. Wir stehen dem Land zur Verfügung, damit die betroffenen Gemeinden und ganz Peru wieder zur Ruhe kommen.

+ Monseñor Miguel Cabrejos Vidarte, OFM
Erzbischof von Trujillo
Vorsitzender der peruanischen Bischofskonferenz

Dra. Beatriz Merino Lucero
Ombudsfrau

Weitere Infos über die Proteste der Indigenen gegen die Ausbeutung des Amazonas-Regenwaldes gibt es auf der Homepage von „Rettet den Regenwald“, wo auch online eine Protestaktion unterstützt werden kann: https://www.regenwald.org/protestaktion.php?id=412.

Anfang Mai 2009 haben acht Bischöfe aus der peruanischen Amazonasregion anlässlich des Konfliktes eine Deklaration veröffentlicht, in der zu mehr Respekt gegenüber den indigenen Völkern, dem Schutz der Schöpfung und zur Aufnahme eines friedlichen Dialogs aufgerufen wird:

Statement by the Bishops of the Peruvian Amazon on the strike by the native communities

5 May 2009

As pastors of the catholic communities in the Amazon region, we wish to inform public opinion about our position on the strike called by the native communities.

1. The Amazon region is rich in ancient cultures and in biodiversity. It is a source of life and hope for humanity. We therefore regard it as one of God’s greatest gifts, because Peru is one of the eight most bio-diverse countries on the planet. Amazonia has 31 of the world’s 114 life-zones or ecosystems, 95% of Peru’s forests and important potential for water resources and water-generated energy. This places on all Peruvians the responsibility ‘to cultivate the earth and care for it’ (Genesis Chap. 2) for our good and that of future generations.

2. Accordingly, in the words of the Latin American bishops at the Aparecida conference, as messengers of life ‘we wish to insist that interventions that affect natural resources should not be dominated by the interests of groups that irrationally exploit the sources of life, to the detriment of whole nations and of humanity itself’ (Aparecida 471).

3. From this perspective, we find that, in the name of a distorted concept of development, the State allows the deforestation of large areas of primary forest for the benefit of Peruvian and transnational companies for investment in oil palm, sugar and other plantations.

4. There is no-one who cannot be aware of the pollution of rivers by lead and other heavy metals as the result of irresponsible mining, commercial and individual, and by oil extraction. We have also witnessed indiscriminate logging with no control of any sort.

5. We can state categorically that no-one is listening to the cry of the indigenous and river communities that desire an integrated model of development: the State ignores the way these lands have been occupied and used for generations. In practice, no account has been taken of the right of the Amazonian peoples to be heard, as provided by the Peruvian Constitution and international human rights treaties, including Convention 169 of the International Labour Organisation and the United nations Declaration on the Rights of the Indigenous peoples. The Report of the Commission of experts on the Application of the ILO conventions, published in February 2009, urged the Peruvian government to take immediate steps to design appropriate mechanisms for the participation of the indigenous peoples and called on them to consult them before taking measures affecting them, either directly or indirectly.

6. We recall that ‘The Church…places especial value on the indigenous peoples for their respect for nature and their love for mother earth as a source of nourishment, common home and altar of human sharing’ Aparecida, 472).

7. Events such as those we are witnessing now in Amazonia show us that there is an arrogant desire to take over, in an inhuman and cruel way, the possessions of the river and jungle communities because in their own country they lack the necessary legal support to defend their just demands. This means that they are condemned to be uprooted from their lands and be workers sowing sugar-cane and oil palm or in the mining and oil industries.

8. The laws decreed by the State in 2008 (especially two laws and seven legislative decrees) do not contribute to the integrated development of the Amazonian population. On the contrary, we are witnessing serious threats of increased poverty in the region.

9. We do not want violence and urge the government and the Congress to show signs of willingness to dialogue and to seek just and peaceful solutions to the problems being faced by the Amazonian peoples, or they may be driven to despair, with an increase of social conflict.

10. We call on the media to perform their role of giving public opinion accurate information, thus supporting the right of citizens to be informed about what happens in the Peruvian Amazon.

In this delicate situation, we call on the President and Congress to rescind the laws mentioned above and to contribute to the drafting of new laws with the participation of the indigenous populations. We also call on these Amazonian peoples and their leaders to unite in a search for the common good. We consider it necessary to set up a forum for genuine dialogue including all social leaders to reach a peaceful and harmonious solution to this conflict.

In conclusion, with the bishops of Latin America, we reaffirm the need to ‘seek an alternative model of development, integrated and inspired by solidarity, based on an ethics that includes responsibility for an authentic human and natural ecology, based on the Gospel of justice, solidarity and the universal destiny of goods…’ Aparecida, 474c).

+José Luis Astigarrraga CP
Bishop of the Vicariate of Yurimaguas

+Santiago García de la Rasilla SJ
Bishop of the Vicariate of Jaén

+Gaetano Galbusera SDB
Bishop of the Vicariate of Pucallpa

+Julián García OSA
Bishop of the Vicariate of Iquitos

+Alberto Campos OFM
Bishop of the Vicariate of San José de Amazonas

+Gerardo Zerdín OFM
Bishop of the Vicariate of San Ramón

+Francisco González OP
Bishop of the Vicariate of Puerto Maldonado

+Bishop Juan Tomás Olivier OFM
Bishop of the Vicariate of Requena.

 


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