Anschlagsserie eskaliert Konflikt in Mindanao, Philippinen
Eine Serie von Bombenanschlägen Anfang Juli hat die Konfliktsituation in Mindanao stark verschärft. Ob ein am 23. Juli von Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo verkündeter Waffenstillstand halten wird, bleibt abzuwarten. Friedensorganisationen rufen zu einer sofortigen Wiederaufnahme der Friedensgespräche auf.
Erzbischof Orlando Quevedo von Cotabato hielt gerade einen Gottesdienst, als am 5. Juli vor der Immaculate Conception Cathedral in Cotabato eine Bombe explodierte. Der Anschlag tötete fünf Personen und verletzte 29 weitere. „Ich konnte den Qualm und Staub auf der anderen Straßenseite sehen, währenddessen schrien die Gemeindemitglieder panisch und versuchten näher an den Altar zu gelangen,“ so Quevedo. Papst Benedikt XVI erklärte zum Abschluss des Angelusgebets am 6. Juli in Bezug auf den Anschlag: „Ich möchte erneut jegliche Anwendung von Gewalt verurteilen, die niemals ein würdiger Weg zur Lösung vorhandener Probleme ist.“ Weitere Bomben explodierten in Datu Piang, sowie auf Basilan und Jolo.
Der Friedensprozess in Mindanao ruht bereits seit August 2008 in Folge der Nichtunterzeichnung eines so genannten Memorandum of Agreement on Ancestral Domain (MOA-AD). Anfang Juli 2009 waren mehr als 400.000 Menschen von den Kampfhandlungen vertrieben. 70% der Todesfälle in den Flüchtlingslagern sind Kinder. Die Mindanao PeaceWeavers, ein großes Netzwerk von Friedensorganisationen, in dem auch Partnerorganisationen der Dreikönigsaktion beteiligt sind, kritisiert insbesondere die militärische Reaktion des Militärs auf die kürzliche Anschlagserie und äußert große Besorgnis, dass Militärs Flüchtlinge zunehmend als „Reservisten des Feindes“ wahrnehmen würden.
Viele der muslimischen, indigenen und christlichen Betroffenen haben Haus und Hof zurücklassen und in Folge von Kampfhandlungen in Flüchtlingslager ziehen müssen. Ältere Menschen können sich meist nicht erinnern, wie oft genau sie flüchten und ihre Lebensgrundlage hernach wieder aufbauen mussten. Da die Regierung militärische Aktionen wenig bis gar nicht mit einer humanitären Strategie verknüpft, sind die Flüchtlinge meist auf sich selbst und die Hilfe von Nichtregierungsorganisationen oder die Kirche angewiesen. Die medizinische Versorgung ist unzureichend und die langfristigen psychologischen Schäden stellen Friedensorganisationen vor unlösbare Aufgaben: Mit dem aktuellen Ausbruch neuer Feindlichkeiten brechen auch die Kriegstraumata wieder auf und vielerorts ist jahrelange Vermittlungs- und Versöhnungsarbeit wieder auf ihre Anfänge zurückgeworfen.
Lokale Nichtregierungsorganisationen und Partnerorganisationen der Dreikönigsaktion sind von der Anschlagsserie überrascht worden. Der Direktor der muslimischen Nichtregierungsorganisation Integrated Mindanaons Association for Natives (IMAN) Mike Alon fürchtet nun, dass durch die Vorgänge die Beziehungen zwischen Christ/innen und Muslim/innen weiter zerstört und die Erfolge der lokalen Friedensarbeit zu Nichte gemacht werden. „Die lokalen Gemeinden, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten, sind durch die Anschläge sehr beunruhigt,“ so Alon. Unklar sei, wer hinter den Anschlägen stünde: Während das philippinische Militär die Verantwortung klar auf Seiten extremistischer Elemente innerhalb der Moro Islamic Liberation Front (MILF), die für Selbstbestimmung in den mehrheitlich muslimischen Gegenden kämpft, sieht, seien vor Ort viele Leute der Überzeugung, dass das Militär selbst für die Anschläge verantwortlich sei.
Sr. Schola Mutua von dem integrierten Rehablitationsprogramm der Oblates of Mary Immaculate (OMI-IRP) in Pikit berichtet, dass die Stimmung angespannt bleibt. „Alle sind sehr vorsichtig und es werden viele Textnachrichten über mögliche weitere Bomben in Bussen, Kirchen und Straßen versandt. Das sind natürlich Gerüchte, aber wir wissen nie wann wirklich etwas passiert.“ OMI-IRP ist intensiv mit der Versorgung und Betreuung von internen Flüchtlingen befasst.
Für weitere Informationen:
MindaNews: www.mindanews.com
Mindanao Peaceweavers: http://www.mindanaopeaceweavers.org/
