Auf der Suche nach Alternativen in einer vom Krieg traumatisierten Gesellschaft in Sri Lanka
Die Armee Sri Lankas hat die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) militärisch besiegt. Die in den vergangenen Monaten tobenden Kriegswirren haben einen Großteil der Bevölkerung zur Flucht getrieben. Sie leben in sogenannten „detention camps“ (Internierungslagern) und wissen nicht, wann sie wieder in ihre zerstörten Dörfer oder Städte zurück können. Die Situation in diesen Lagern ist schwer ertragbar und die Regierung ist kaum fähig das blanke Leben der tausenden Menschen zu gewährleisten. Der vermeintliche Antiterrorkampf gegen die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) und angebliche Unterstützer fordert daher nach wie vor seine Opfer. Die Armeepräsenz soll weiter ausgebaut werden, um den Frieden zu sichern. Die anhaltende Wirtschaftskrise und die sozialen Missstände des Landes geraten dabei immer weiter in den Hintergrund.
Es war ein Vernichtungskrieg, der die Insel im indischen Ozean im Schach gehalten hatte und noch immer sind die Menschen verunsichert und traumatisiert. In einer solchen Situation ist der Einsatz gegen Ungerechtigkeit gefährlich. Padma Pushpakanthi, die Gründerin und Leiterin des Frauennetzwerks Savisthri, hat in den letzten Kriegstagen erfahren, was es bedeutet gegen Ungerechtigkeit und für ein friedvolles Miteinander einzutreten. Als sie zu einem Protestaufmarsch gegen den Krieg und die Verschlechterung der Lebensbedingungen mobilisierte, wurde sie denunziert, festgenommen und verhört. Erst durch den lautstarken Protest mehrerer NGO Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde sie wieder freigelassen.
Die Arbeit von Savisthri beinhaltet die Organisierung von Frauen auf allen Ebenen. Teeplantagenarbeiterinnen, Kleinstbäuerinnen, Textilarbeiterinnen und Fischverkäuferinnen sind Mitglieder des Frauennetzwerks und sie alle haben einen Traum: ein menschenwürdiges Leben in Sicherheit und Frieden zu leben. In den Dörfern versuchen kleine Spargruppen Alternativen gegen die ständige Verteuerung der Lebensgrundlagen zu finden. Savisthri setzt dabei auf biologischen Landbau und gemeinsame Läden, in denen die Frauen gesunde Grundnahrungsmittel zu angemessenen Preisen erhalten können. „Nur durch unsere Solidarität können wir etwas verändern“, so Padma Pushpakanthi. Es geht darum Alternativen zu leben.
Die Spargruppen schließen sich zu Minibanks zusammen. Diese setzen sich stark für soziale Belange in ihrer Region ein. So erzählen die Frauen, dass sie ein Haus für einen Menschen mit Behinderung gebaut haben. 15.000,- Rupien haben sie von der Dorfverwaltung für das Material bekommen, die Arbeit wird als Gemeinschaftsdienst freiwillig und kostenlos beigesteuert. „Sramadhana“ ist die traditionelle Form der gemeinsamen und gemeinnützigen Hilfeleistungen. Oblag es früher dem Dorfvorsteher und dem männlichen Dorfrat zu diesen gemeinsamen Hilfsdiensten aufzurufen, so hat dieses System durch die Frauengruppen eine neue Bedeutung für die einzelnen Mitglieder erlangt. Jetzt entscheiden erstmals auch die Frauen, welche Arbeiten notwendig sind.
Savisthri gehört heute zu einer der führenden Frauenorganisationen in Sri Lanka, die durch ihre engagierte Arbeit für alle Frauen egal welcher ethnischen oder sozialen Herkunft, auch zu einer wichtigen Partnerin internationaler Hilfsorganisationen, wie der Dreikönigsaktion, geworden ist.
