„Meine Diözese geht unter!“
Unser Projektpartner Bischof Lobo berichtet über den Klimawandel, dessen Auswirkungen und Anpassungsstrategien in seiner Diözese Baruipur, West Bengalen, Indien.
Bischof Salvadore Lobo, der Ende Juli auf Besuch im Büro der Dreikönigsaktion war, erzählt, dass in 20 bis 30 Jahren die halbe Diözese Baruipur unter Wasser stehen wird, wenn der Klimawandel nicht eingedämmt wird. Seine Diözese, gelegen am Gangesdelta, besteht zum Teil aus Inseln, die 1,2 Meter unter dem Meeresspiegel liegen. Es gibt daher keine Möglichkeit diesen Erdteil zu schützen. Zerstörerische Überflutungen und Zyklonen sind im östlich gelegenen Bundesstaat keine Ausnahme mehr. Die Bevölkerung lebt in der ständigen Angst, Naturkatastrophen könnten ihr Hab und Gut zerstören. Schutzmauern aus Erde und die Sundarbans-Mangrovenwälder, die UNESCO Weltnaturerbe sind, bieten einen natürlichen Schutz, die jedoch bei starken Naturkatastrophen zerstört werden. Nachhaltige Schäden sind vorprogrammiert. Die Auswirkungen des Aila Zyklons, der im Mai 2009 sein Unwesen trieb, werden für 5 Jahre zu spüren sein.
Die Diözese Baruipur begegnet dem Klimawandel und seinen zerstörerischen Auswirkungen mit gezielten Anpassungsstrategien. Bewusstseinschaffende Maßnahmen und die Kampagne „Survival Campaign“ sollen die Bevölkerung auf Naturkatastrophen, die verstärkt durch den Klimawandel stattfinden, vorbereiten. Mitarbeiter/innen gehen in Dörfer und informieren die Menschen. Zudem werden Fernsehbeiträge erarbeitet und Straßentheater gespielt, die die Entstehung und Auswirkungen des Klimawandels sowie Anpassungsstrategien der Bevölkerung näher bringen.
Ein wichtiger Arbeitsbereich der Diözese ist die Katastrophenvorsorge, die sie in Zusammenarbeit mit der Regierung Westbengalens durchführt. Die Bevölkerung bekommt ein „Überlebenspaket“, in dem unter anderem Anleitungen finden, wie die wichtigsten Besitzstücke geschützt werden können (z.B. Dokumente) oder wie man ein Floss baut, um auf Land zu kommen, wenn Wege überflutet sind.
Dennoch, das größte Problem der Bevölkerung ist nicht der Klimawandel, sondern ihr täglicher Kampf ums Überleben. „Es geht um das momentane Überleben und nicht um die ferne Zukunft“, so Bischof Lobo. Daher holzen die Menschen oft Bäume ab, um ihr Essen kochen zu können. Die Menschen leben in der Gegenwart, in der sie sich fragen, woher bekomme ich zu essen. „Was in 20, 30 Jahren passieren wird, ist zweitrangig“, so Bischof Lobo weiter. Wenn die sozialen Probleme angegangen werden, damit auch indirekt die ökologischen Probleme gelöst.
Obwohl die Bevölkerung Westbengalens die Natur oft zum Überleben zerstören muss, haben sie eine große Liebe zur ihr. Bischof Lobo zitiert hier Rabindranath Thakur, bengalischer Literaturnobelpreisträger von 1913, der das Leben der Menschen durch seine Lieder und Texte bis zum heutigen Tag prägt. Seine Schriften betonen die Schönheit der Natur und den vielen Lebewesen, die sie beschützt und ernährt. Als Bischof lebt er die Verbundenheit mit der Natur selbst vor. Er versucht zu lehren, dass man in Harmonie mit anderen Geschöpfen lebt und Bewusstsein für ihre Schönheit und Notwendigkeit zu schaffen. „Auch der moderne gelebte Hinduismus in Westbengalen zeigt, dass Gott überall präsent ist, auch in der Natur, daher soll sie geschützt werden“, erklärt Bischof Lobo die interreligiöse Dimension einer gelebten Schöpfungsspiritualität.
In seinem Statement appelliert Bischof Lobo an die Zivilgesellschaft und Regierungen weltweit eine Veränderung in Gang zu setzen und Bewusstseinsarbeit zum Klimawandel zu leisten.
Sail Away
Early in the day it was whispered that we should sail in a boat,
only thou and I, and never a soul in the world would know of this our
pilgrimage to no country and to no end.
In that shoreless ocean,
at thy silently listening smile my songs would swell in melodies,
free as waves, free from all bondage of words.
Is the time not come yet?
Are there works still to do?
Lo, the evening has come down upon the shore
and in the fading light the seabirds come flying to their nests.
Who knows when the chains will be off,
and the boat, like the last glimmer of sunset,
vanish into the night?
Rabindranath Thakur, bengalischer Literaturnobelpreisträger von 1913
