„Sie brachten uns Leben“
Von seiner Reise nach Äthiopien und Uganda brachte der österreichische Außenminister Michael Spindelegger viele Eindrücke mit. Unter anderem auch jene, wie wertvoll die Unterstützung des Auslands für die Menschen vor Ort ist. Im Interview mit „alle welt“ räumte er auch der kirchlichen Entwicklungshilfe einen wichtigen Platz ein.
Sie sind gerade aus Äthiopien und Uganda nach Österreich zurückgekehrt. Was war der Anlass Ihrer viertägigen Reise?
Ich wollte diese Zeit des Sommers für mich nützen, um persönliche Eindrücke von der Arbeit der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in diesen Ländern zu bekommen, die Bevölkerung vor Ort zu treffen und eine Ahnung davon zu bekommen, wie sich die von uns geförderten Projekte auf die Lebensumstände der Menschen konkret auswirken. Ich habe die jeweils zwei Tage in Äthiopien und Uganda intensiv genutzt: Ich führte nicht nur Gespräche auf politischer Ebene, sondern besuchte auch zahlreiche Projekte der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und von Nicht-Regierungs-Organisationen. Man zeigte mir diese wichtige Arbeit vor Ort. Natürlich besprach ich auch mit Politikern dieser Länder: Wie wird unsere Tätigkeit bewertet, sind wir am richtigen Weg?
Welches Ereignis dieser Reise wird Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?
Was mich besonders bewegt hat, war das Projekt für Straßenkinder in Kampala, das von der Dreikönigsaktion unterstützt wird. Dort sieht man, wie auf kleinstem Raum inmitten eines Slum-Viertels in Ugandas Hauptstadt ganz wichtige Arbeit geleistet wird: nämlich den Kindern ein Heim zu geben. Das ist praktisch ein Familienersatz. Dadurch wird ihnen Hoffnung auf eine bessere Zukunft geschenkt und eine neue Richtung für ihr Leben vorgegeben. Das ist das Entscheidende. Das hat nachhaltige Wirkung: Ich habe dort mit Jugendlichen gesprochen, die selbst als Straßenkinder aufgenommen worden waren und heute bereits in dieser Einrichtung mitarbeiten. Das beweist, dass diese Art der Hilfe etwas bewirkt.
Ihre Kinder haben ja ebenfalls an der Dreikönigsaktion als Sternsinger teilgenommen und gesammelt.
Ja, so ist es! Sie sind erst sieben und neun Jahre alt, aber schon zum dritten Mal mit großer Freude bei den Sternsingern dabei. In Uganda sagte ich den Mitarbeitern des Straßenkinder-Projektes, dass ich meinen Kindern zu Hause erzählen werde, wo das Geld, das sie in der Hinterbrühl mitgesammelt haben, hinfließt und dass damit Großes bewirkt wird. Es ist gut, wenn man weiß, was mit dem Geld geschieht und wie viel Gutes es tatsächlich bewirken kann.
Bewirkt Entwicklungshilfe überhaupt etwas?
Ich habe es selbst gesehen: Sie bewirkt sehr wohl etwas. Jeden Zweifler lade ich ein, sich selbst ein Bild zu machen. Was Entwicklungszusammenarbeit tatsächlich bringt, sieht man vor allem auf lokaler Ebene, etwa wenn einem Dorf ein Brunnen finanziert wurde. Vorher mussten die Menschen kilometerweit gehen, um Wasser zu schöpfen, nun fließt Wasser direkt vor der Haustüre. Die Bewohner haben die Bedeutung dieser Hilfe sehr schön in Worte gefasst: „Sie brachten uns Leben“.
Welche Rolle spielt die katholische Kirche in der Entwicklungszusammenarbeit?
Ich habe vor Ort gesehen, dass ihre Arbeit einen hohen Stellenwert hat. Ich glaube, dass wir uns auch auf die Kraft, die die katholische Kirche in diesem Bereich hat, stützen müssen. Gerade in Äthiopien und Uganda gibt es einen großen Anteil an Menschen, die sich zum christlichen Glauben bekennen. Deshalb hat die Kirche hier auch eine besondere Möglichkeit, diese Menschen auf einer Ebene zu erreichen, die der Politik verschlossen bleibt. Die kirchliche Arbeit hat nicht nur einen äußeren Effekt, sondern auch einen inneren. Der Glauben kann durch die ihm inne wohnende Wertorientierung dazu beitragen, dass es nachhaltige Veränderungen gibt.
Das Interview führte Andreas Thonhauser
Aus Platzgründen haben wir das Interview leider kürzen müssen. Sie finden das Interview in voller Länge in der September/Oktoberausgabe von „alle welt“. Das Magazin der Päpstlichen Missionswerke in Österreich informiert 6 x im Jahr über die weltkirchliche Familie und wie Sie aktiv den Menschen in den Ländern des Südens helfen können. Infos unter www.missio.at
Foto: Robert Ekapu John, Projektleiter von „Kids in Need“, übergab BM Spindelegger und Staatssekretär Lopatka Gastgeschenke und stellte die erfolgreiche Arbeit des Projektes vor.
