„Working with young people is a passion“
Gemeinsam mit sechs Jugendlichen unserer indischen Partnerprojekte „Sampari Hukumu Bodol“ und dem „Peace Team“ verbrachte Fr. Jerry Thomas, SDB, im Rahmen des Süd nach Nord Einsatzes vier Wochen in Österreich. Der inhaltliche Schwerpunkt der Reise lag ganz im Zeichen der Friedensarbeit, für die sich die sieben Inder/innen in ihrer Heimat engagiert einsetzen.
Fr. Jerry Thomas stammt aus Kerala, Südindien und promovierte in Soziologie. Er gilt als Wegbereiter der Friedensarbeit mit Jugendlichen in Nordostindien, eine Region in der es immer wieder zu gewaltvollen Ausschreitungen und Terroranschlägen kommt. Sechs Jahre lang war er der regionale Jugenddirektor, zuständig für die kirchliche Jugendarbeit (Jugendpastoral) in den sieben nordostindischen Unionsstaaten. Heute ist Fr. Jerry Direktor des Bosco Instituts in Jorhat, Assam, Indien. Er wurde auf Grund seiner langjährigen Erfahrungen im Sozial-, Friedens- und Jugendarbeitsbereich beauftragt, ein Universitätsinstitut aufzubauen. Das Institut durchläuft gerade das 2. Studienjahr mit derzeit 45 Studierenden aus verschiedenen nordostindischen Ethnien. Das Bosco Institute bietet eine professionelle Ausbildung für Sozialarbeiter/innen in akademischer als auch in praktischer Hinsicht an. Die Verquickung von akademischer Lehre, Forschung, Dokumentation und direkter Arbeit im Bereich Projektimplementierung, Anwaltschaft und Beratung ist in der Region einzigartig.
Für Fr. Jerry ist die Arbeit mit Jugendlichen eine Leidenschaft, wie er selbst in einen seiner vielen Berichten während seines Österreichaufenthaltes erzählte. Junge Menschen brauchen ihren (Frei)Raum, um sich in der Gesellschaft engagieren zu können, mit seiner Arbeit möchte er ihnen diesen bieten. Am Beginn seiner Friedensaktivitäten dachte er, dass Jugendliche, die auf Gewalt trainiert werden, könnten auch ein Training für Frieden erhalten. Sein Konzept ging auf. Er sagte: “We cannot eliminate violence in the Northeast. It will be there for many more years as long as the political issues are not solved, but we can prepare young people to live with violence without becoming violent themselves. Starting from their own experiences of violence, it was the youth´s personal engagement that provides the foundation for the work.”
John, einer der Jugendlichen, die von der Diözese Diphu nach Österreich kam und seit langer Zeit mit Fr. Jerry zusammenarbeitet, erzählt von seinen Erfahrungen in der Friedensarbeit: „Ich habe mich zwischen meine eigene Gruppe (Karbi, die dominate Gruppe in der Diözese Diphu, Karbi Anglong) und die Gruppe der Kukis gestellt. Die Karbi wollten die Kukis als Racheakt töten. Ich bin dazwischen gegangen und habe es geschafft, dass an diesem Abend 20 Kukis am Leben blieben.“ Johns Leitsatz ist:
“Our people are being killed,
Our villages are being burned,
We are angry, we are upset
Our friends are emotional.
But we shall not retaliate.”
Fr. Jerry zitiert John mit dieser Aussage sehr oft, wenn er darauf verweist wie außergewöhnlich es ist, dass Indigene, die sich hauptsächlich über die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe identifizieren, hier nicht zu einem Gewaltakt greifen. Don Boscos Vision aus Jugendlichen ehrliche Bürger/innen zu machen, geht in der Arbeit von Fr. Jerry auf.
