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Warum müssen Kinder arbeiten? Kinderrechte in Indien und in Österreich
Warum müssen Kinder auf Baumwollfeldern arbeiten? Wie viel Geld bekommen sie dafür? Haben sie am Wochenende frei? Dürfen sie zu Hause bleiben, wenn sie krank sind? 17 Kinder aus der Wiener Volksschule Nova überhäuften die beiden Gäste der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar aus dem indischen Bundesstaat Andhra Pradesh mit Fragen.
Kurz bevor die Kinder eintreffen, gesteht Reddy, der Direktor der indischen Partnerorganisation der Dreikönigsaktion REEDS (Research in Environment, Education and Development Society), dass er nervös ist. Reddy ist im Vorfeld der Sternsingeraktion zu Gast in Österreich, um zu erzählen, was „Hilfe unter gutem Stern“ konkret bedeutet. Mit Journalisten und Journalistinnen reden, und vor die Kamera treten sei eine Sache. Sich einer Schulklasse zu stellen eine andere. Seine Mitarbeiterin Usha Sree, die ihn auf seinem Österreichbesuch begleitet, lächelt über seine Ängste. Sie sieht die Sache anders. Kameras und Mikrophone, das sind Dinge, die sie aus dem Gleichgewicht bringen– eine Kindergruppe zählt nicht dazu.
„Mein Name ist Satya Bhupal Reddy, aber ihr könnt Reddy zu mir sagen“, eröffnet der Direktor von REEDS das Treffen. Und seine Ängste waren unbegründet: die Kinder hängen an seinen Lippen, wenn er und Usha von der Situation und den Problemen der Kinder in seiner Heimat erzählen.
Ein Leben in Wohlstand und sozialem Frieden gewohnt, tauchen die Mädchen und Buben bei den Erzählungen von Reddy und Usha in eine für sie neue Welt ein. Eine Welt, in der viele Mädchen, anstatt in die Schule gehen zu können, gezwungen sind, auf Baumwollfeldern zu arbeiten. Eine Welt, in der indische Baumwollkonzerne die Armut und Abhängigkeit der Familien gnadenlos zu ihrem Profit ausnutzen: Weil in der Region billige Arbeitskräfte verfügbar sind, haben die Firmen mit schnell wachsenden Hybridsamen Baumwoll-Plantagen aufgezogen. Obwohl Kinderarbeit offiziell verboten ist, arbeiten dort Mädchen unter unmenschlichen Bedingungen. Die schwere Arbeit und der massive Einsatz von Pestiziden führen zu schweren gesundheitlichen Schäden. Ohne Schulbesuch gibt es auch nur mehr wenig Hoffnung, durch Bildung der Armut zu entkommen.
„Wie helft ihr den Kindern?“ will die 10jährige Victoria wissen. Reddy und Usha erklären ihre Arbeit und berichten von mühsamen Fortschritten im Kampf um die grundlegenden Kinderrechte, die vielen Kindern in Indien versagt bleiben: Das Recht, in eine Schule gehen zu können, einen Beruf zu erlernen, aber vor allem: das Recht nicht ausgebeutet und zu schwerer Arbeit gezwungen zu werden. REEDS setzt sich für Mädchen und junge Frauen ein, die Kinder- und Zwangsarbeit verrichten müssen und bietet den Mädchen die Chance auf ein menschenwürdiges Leben: REEDS ermöglicht ihnen einen Schulbesuch und Berufschancen und verbessert ihre Ernährungs- und Gesundheitssituation. Ein wesentlicher Aspekt der Projektarbeit ist aber auch die anwaltschaftliche Arbeit und die Stärkung der Kinderrechte.
Viel zu schnell ist die Stunde um. Gelernt haben alle voneinander: Reddy machen österreichische Kindergruppen von nun an keine Angst mehr, und für die Mädchen und Buben ist ein Mensch aus Indien jetzt mehr als eine exotisch angezogene Werbefigur, die ihnen ein Handy verkaufen will.
