Die Kinderpastoral Brasiliens verliert ihre Gründerin! Zilda Arns Neumann stirbt bei Erdbeben in Haiti.
Zilda Arns ist tot. Die Gründerin der Brasilianischen Kinderpastoral starb durch das Erdbeben in Haiti am 12. Januar 2009. Zilda Arns, hielt sich für die Kinderpastoral („Pastoral da Criança“) in Haiti auf. Als sie mit zwei brasilianischen UN-Soldaten durch die Straßen der Hauptstadt ging, wurde sie von herabstürzenden Trümmern getötet.
Zilda Arns war die Schwester des brasilianischen Erzbischofs von São Paulo, Kardinal Paulo Evaristo Arns. Ihre Familie hatte deutsche Wurzeln, sie selbst sprach fließend deutsch. Auf Bitten Ihres Bruders gründete die gelernte Kinderärztin 1982 die „Pastoral da Criança“, die Kinderpastoral der katholischen Kirche, die Maßnahmen gegen die hohe Kindersterblichkeit in Brasilien entwickeln sollte. Heute ist die Pastoral da Criança die größte Freiwilligenorganisation Brasiliens, die etliche Male mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet und mehrfach für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde und nicht zuletzt dafür gesorgt hat, dass die Sterblichkeitsrate bei Kleinkindern deutlich gesenkt wurde. Zilda Arns Neumann, die Kinderärztin aus Curitiba, war die wohl bekannteste Frau des Landes und für viele Brasilianerinnen und Brasilianer die Glaubwürdigkeit in Person.
Zilda Arns selbst verwies immer wieder darauf, dass die Pastoral da Criança ein „Netzwerk der Solidarität“ sei, in dem mehr als 258.000 Freiwillige in 37.000 Städten und Dörfern Brasiliens mitarbeiten – ehrenamtlich. Die Pastoral da Criança ist eine Einrichtung der Brasilianischen Bischofskonferenz. Sie begleitet 1,3 Millionen Familien, 100.000 Schwangere und 1,8 Millionen Kleinkinder. Die Lebensqualität dieser Familien und Kinder wird verbessert, indem Kurse angeboten, die Familien besucht und sie über Ernährung, Hygiene und Erziehung informiert und geschult werden.
Die Pastoral da Criança ist mittlerweile fixer Bestandteil des pastoralen Engagements vieler DKA-Projektpartner/innen in Brasilien geworden. Mit selbst produzierter „Multimistura“, einer Art Nahrungsergänzung aus natürlichen Bestandteilen für Babies und Kleinkinder können Mangel- und Fehlernährung verhindert werden. Gleichzeitig werden Frauen und Männer geschult ihre Kinder regelmäßig zu wiegen und Durchfallerkrankungen sofort und richtig zu behandeln. Mit geringem finanziellem Aufwand wird Enormes erreicht. Auch wenn Frau Arns keine direkte Projektpartnerin der Dreikönigsaktion war, hat sie unsere Arbeit geprägt. Ihrem persönlichen Einsatz und der wissenschaftlichen Begleitarbeit sind das praktikable und einfach zu erlernde Konzept zu verdanken, das mittlerweile über Brasiliens Grenzen hinaus bekannt wurde. Für die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar ist das Engagement der Kinderpastoral Brasiliens richtungsweisendes Vorbild in Sachen Kinderschutz und konkrete Umsetzung der Kinderrechte.
Zilda Arns wurde 1982 von der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) offiziell beauftragt, die Kinderpastoral aufzubauen. Gemeinsam mit Dom Geraldo Majella Agnelo, dem heutigen Kardinal und Erzbischof von Salvador da, wählte sie die Stadt Florestópolis im Bundesstaat Paraná aus – dort lag die Sterblichkeitsrate der Kleinkinder bei 127 von 1.000 Lebendgeburten. Nach nur einem Jahr aktiver Arbeit, vor allem in den Elendsvierteln der Stadt, konnte die Pastoral da Criança die Sterblichkeitsrate auf 28 von 1.000 senken. Als Zilda Arns dieses Ergebnis der Vollversammlung der brasilianischen Bischöfe präsentierte, fasste man den Beschluss, die Organisation umgehend in allen 27 Bundesstaaten Brasiliens aufzubauen. Heute beträgt die Kindersterblichkeit in den von der Pastoral da Criança betreuten Gemeinden durchschnittlich 15 Todesfälle pro tausend Kinder.
Für die Brasilianer/innen war Zilda Arns längst zu einer Institution geworden. „Wenn Doctora Zilda spricht, ist das fast genauso wichtig, als wenn Pelé spricht“, meinte Kardinal Odilo Scherer, Erzbischof von Sâo Paulo.
http://www.pastoraldacrianca.org.br/
