Wege zur Klima-Kooperation
Wie können die Gräben zwischen Nord und Süd in den globalen Klimaverhandlungen überwunden werden? Wie können die notwendigen Emissionseinsparungen erreicht werden? Wer hat welche Verantwortung zu tragen?
Mit diesen und anderen Fragen beschäftigte sich die Dialogveranstaltung „Misstrauen in Kopenhagen – Kooperation in Cancún“ von Klimabündnis, KOO und Dreikönigsaktion, zu der die Abgeordneten Petra Bayr, Franz Glaser und Judith Schwentner – Entwicklungssprecher/innen von SPÖ, ÖVP und Grünen – am 2. Juni 2010 ins Parlament geladen hatten.
Anlass für die Veranstaltung war der Besuch unserer Projektpartner Wagner Huari Pérez aus Peru und Martin (Milo) Tanschuling aus den Philippinen, die über die konkreten Auswirkung des weltweiten Klimawandels in ihren Ländern berichteten und mit den anwesenden Parlamentariern/innen über ihre Vision von Klima-Gerechtigkeit ins Gespräch kamen.
Wagner Huari Pérez, Regionaldirektor des Instituts für Entwicklung und Umwelt (IDMA) in der Region Abancay, beschrieb die zunehmende Wasserknappheit als die zentrale Auswirkung des Klimawandels in den Anden. Die Anden-Gletscher schmelzen ab und deshalb versiegen Quellen. Durch die verstärkte Aktivität internationaler Bergbauunternehmen, die für den Abbau von Bodenschätzen Wasser benötigen und Wasserressourcen durch Verschmutzung unbrauchbar machen, entstehen viele Wasser-Konflikte. IDMA unterstützt die betroffene Bevölkerung dabei, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen: Einerseits durch die Verbreitung agro-ökologischer Methoden, damit kleinbäuerlichen Familien die sich verknappenden Ressourcen schonen und dennoch ihre Erträge steigern zu können, andererseits durch politisches Empowerment, damit die legitimen Anliegen der Bauern-Gemeinschaften von der peruanischen Regierung gehört werden.
Martin (Milo) Tanschuling, Generalsekretär der Freedom from Debt Coalition (FDC) forderte vor allem die Verantwortung der nördlichen Industriestaaten ein: Länder wie Österreich müssen als Verursacher des Problems ihre historische Verantwortung für den Klimawandel wahrnehmen und ihren Treibhausgas drastisch zurück fahren sowie südliche Staaten dabei unterstützen, sich an die bereits jetzt spürbaren negativen Auswirkungen anzupassen. Zur Tilgung der „Klimaschuld“ der nördlichen Staaten sind sowohl Finanzmittel als auch das Überlassen von klimaschonender Technologien nötig. Dabei fordert FDC, dass die Vergabe von Klima-Mitteln unter dem Dach der UN-Klima-Rahmenkonvention erfolgen solle, da hier die Entwicklungsländer eine gleichberechtigte Mitsprachemöglichkeit haben. Internationale Finanz-Institutionen wie die Weltbank oder regionale Entwicklungsbanken würden zu stark von den nördlichen Wirtschaftsmächten dominiert und besäßen durch die jahrzehntelange Unterstützung klimaschädlicher Großprojekte in Ländern des Südens nicht die notwendige Glaubwürdigkeit, um ein echter Akteur zur Lösung der Klimakrise zu sein. Auch Österreich sei gefordert, einerseits mit der Einsparung von Treibhausgasen endlich ernst zu machen, andererseits auf die gegebenen Versprechen bzgl. Klimafinanzierung Taten folgen zu lassen.
