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Philippinen: Zeichen für Wandel!

Ein Bericht von Alfons Drexler, Bildungsreferent der Dreikönigsaktion, anlässlich seiner Reise auf die Philippinen im Juni und Juli 2010.

Am 30. Juni wurde Benigno „Noynoy" Aquino als 15. Präsident der Philippinen vereidigt. Das Volk hofft, dass sich das Regime nun endlich verändert, und feiert. Präsident Aquino selbst setzt entsprechende Zeichen.

Als sein Name angekündigt wird, braust Jubel unter den 150.000 Feiernden auf. Jovit Baldivino, der Gewinner des diesjährigen philippinischen „Starmania"-Bewerbes „Pilipina got Talent" betritt die Bühne am Quezon Memorial Circle, dem abendlichen Festzentrum dieses Feiertages. Der 16-jährige stammt aus ärmsten Verhältnissen. Der Sohn einer Wäscherin hat gerade vier Jahre die Schule besucht. Seine Familie bewohnt einen Verschlag, der an eine Fabrikmauer angebaut ist. Der in seinem Wohnbezirk beliebte Hobbysänger wollte selbst gar nicht am Wettbewerb teilnehmen, denn er besaß ja nicht einmal Schuhe. Die gesamte Armensiedlung unterstützte ihren Star, der zu all ihren Festen mit seinem Gesang beitrug. Der bescheidene und schüchterne Jovit wurde zum Liebling des Volkes.

Sein zweites Lied an diesem Abend ist „Faithfully", das Siegerlied des Bewerbes. Es ist eine Coverversion und der Originalinterpret tritt dieses Mal selbst auch auf die Bühne und singt mit. Die Geschichte des Arnel Pineda ist ähnlich märchenhaft. Schon als Kind ließen ihn die Eltern an Gesangwettbewerben teilnehmen. Krankheit und Tod der Mutter stürzten die Familie in noch größere Armut. Arnel wurde bei Verwandten untergebracht. Er verließ die Schule und arbeitete als Müllsammler. Mit 15 Jahren wurde er Leadsänger von „Ijos Band". Heute ist Pineda – nach vielen auch gesundheitlichen Rückschlägen - Leadsänger der amerikanischen Rockband Journey.

Diese beiden Symbole der Hoffnung, vor allem für die arme Bevölkerung, ehren nun mit ihrem Auftritt gemeinsam das große Idol des Landes. In gelbem Poloshirt in den einfachen Stuhlreihen sitzt der, dessen Amtsantritt heute gefeiert wird, lässig zurückgelehnt. Zwischendurch albert er mit den beiden Kindern neben ihm herum. Er ist wie viele andere auch unter den tausenden Gästen. Nur die auf ihn gerichteten Kameraobjektive verraten, dass es sich um eine Persönlichkeit handelt: der neue Präsident. Doch genau dafür wird er geliebt: für den Verzicht auf allen Pomp, für sein bescheidenes Auftreten und seine Nähe zu den Menschen.

Seine ersten Taten zeigen in dieselbe Richtung. Mit seinem Wahlkampfslogan „Wenn niemand korrupt ist, wird niemand arm sein" hat Aquino über 40 Prozent der Wahlberechtigten überzeugt und ging am 10. Mai als klarer Sieger hervor. Der Slogan war ein deutliches Signal der Abkehr von der Vorgängerin Gloria Macapagal-Arroyo und der politischen Kaste insgesamt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Bei der Fahrt zur Inauguration und auch am darauf folgenden Tag hielt Aquino sein Versprechen, die Verkehrsregeln zu befolgen und auf Sirenen und Vorfahrt zu verzichten. Es war eine kleine Geste, sie bedeutet aber viel in einem Land, in dem bereits mittlere Regierungsmitarbeiter auf Begleiteskorte, Sirenen und Vorfahrt setzen, um „ihre Position und Macht den einfachen Leuten vorzuführen", wie es Aquino in seiner Antrittsrede ausdrückte. „No more wang-wang", keine Sirenen mehr, war eine zentrale Ansage in seiner Rede.

Das Budget für die Einführungsfeier hat der neue Präsident von 25 Millionen auf vier Millionen Pesos reduziert. Statt teueren Champagners gab es Saft zu trinken. So beweist Aquino schon zu Beginn seiner Amtszeit seinen Willen, Korruption und Amtsmissbrauch auch von oben her bekämpfen zu wollen.

Erneut brandet Applaus auf, als die Freundin des Präsidenten beim Fest eintrifft und neben ihm Platz nimmt. Vieles ziehen die Filipinos heran, um zu betonen und sich selbst zu bestätigen, dass dieser Präsident anders ist als alle seine Vorgängerinnen und Vorgänger. So auch, dass es sich um den ersten unverheirateten Präsidenten handelt. Mit seinen 50 Jahren ist er auch der Jüngste in der Geschichte des Landes. Zuvor war er bereits der jüngste Bürgermeister und das jüngste Kongressmitglied. Seine Wahl ist die erste, bei der es keine Protestbewegung gab. Meine Begleiterin unterstreicht dieses Merkmal, denn sie nimmt das erste Mal an einer Wahlparty teil. Bisher hat sie stets an den Gegendemonstrationen mitgewirkt.

Und Aquino ist wohl auch weltweit der erste singende Präsident. Am Höhepunkt der Party betritt er selbst die Bühne, um zwei Lieder zum Besten zu geben. Mit einem prachtvollen Feuerwerk geht der Abend zu Ende und das mit Hoffnung vollgetankte Publikum kehrt freudestrahlend heim. Die Erleichterung ist spürbar. Bis zuletzt fürchteten viele einen unfairen Akt der Vorgängerin, hat sie doch angekündigt im Präsidentenpalast sterben zu wollen.


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