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Kenia: Turkana brauchen uns jetzt!

Das Land der Turkana im Nordwesten Kenias ist – so wie derzeit viele andere Regionen in Ostafrika – von einer starken Dürre betroffen. Nach den Regenfällen im Vorjahr ist auch der Niederschlag im Februar/März dieses Jahres ausgeblieben. Die Dürre und damit verbundene Hungersnot hat dramatische Ausmaße angenommen. Die meisten Flussbette sind ausgetrocknet, und ein Großteil des Viehs ist aufgrund der Trockenheit bereits verendet.

Nach drei Wochen ist Herbert Kiennast, Länderreferent der Dreikönigsaktion, aus Kenia zurückgekehrt. Er berichtet vom Volk der Turkana, deren Überleben aktuell von Dürre und Hunger bedroht ist:

"Vor allem Ziegen, aber auch Kühe und Kamele bilden die Lebensgrundlage der nomadisch lebenden Hirtengesellschaft. Die derzeitige Dürre schwächt die Herden und die Tiere können nicht mehr zu angemessenen Preisen verkauft werden. Zudem wollen nun viele Viehbesitzer gleichzeitig verkaufen, was die Preise weiter fallen lässt. Bei unserem Besuch im Dorf Kangirega wird erzählt, dass nicht einmal die Tierhäute der geschlachteten Tiere verwendet werden können, da die Tiere durch die Trockenheit zu stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dazu kommt, dass die Preise für Lebensmittel aufgrund der Knappheit während der Dürre immer mehr ansteigen.

Zum täglichen Überlebenskampf der bereits chronisch unterernährten Bevölkerung kommt neben Wassermangel und Nahrungsmittelknappheit auch ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Grund sind die vermehrten Konflikte der unterschiedlichen Volksgruppen um Land und Wasser – sowohl innerhalb der kenianischen Gesellschaft als auch in den Grenzregionen zu Uganda, dem Südsudan und Äthiopien. „Fear and insecurity are our main problems!”, erzählt Erupe Longole Tinyang, ein Gemeindeältester in der südlichen Turkana-Region. Erst unlängst kam es im Dorf wieder zu einem bewaffneten Konflikt mit dem Nachbarvolk der Pokot, ein Mitglied der Gemeinde wurde getötet.

Diese Konflikte sind der Grund, dass wir als Dreikönigsaktion einen Beitrag zur Friedenssicherung in der Region leisten. Grenzüberschreitende Gemeindeforen sollen die gemeinschaftliche Nutzung von Weideland und Wasser gewährleisten. Die Dreikönigsaktion fördert auch Friedenstreffen der Führungspersonen aus den Gemeinden mit lokalen Regierungsvertreter/innen sowie Trainings zur Beilegung von Streitigkeiten unter den rivalisierenden Volksgruppen.

Nach dem Besuch in Kangirega fahre ich mit unseren Projektpartner/innen zurück zu unserem Quartier in Lodwar, der Hauptstadt der Region. Für eine Strecke von etwa 100 Kilometern benötigen wir aufgrund der Straßenverhältnisse dreieinhalb Stunden. Am Weg denke ich über die Lebenssituation der Turkana und deren Zukunftsperspektiven nach. Wie wird sich das Leben der Menschen weiter verändern? Und wie wird sich das Klima in der Region langfristig entwickeln? Dabei kommt mir auch der Turkanasee in den Kopf, das größte Binnengewässer Kenias. Aufgrund von riesigen Monokulturen für Palmöl und Zuckerproduktion im südlichen Teil Äthiopiens sowie aufgrund von neu errichteten Wasserkraftwerken am Omo-Fluss, einem Zubringer des Turkanasees, wird der See zunehmend vom Austrocknen bedroht. Eine Veränderung des regionalen Klimas mit unabsehbaren Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung wird prognostiziert.

Mich beschäftigt die Frage, worauf wir uns in unserer langfristigen Zusammenarbeit mit den Menschen in Turkana konzentrieren sollen. Notwendigkeiten gäbe es viele. Bereits seit vielen Jahren unterstützen wir das von der Diözese geleitete Wasserprogramm. Hierbei geht es um die Errichtung neuer Wasserstellen, die Instandhaltung bestehender Wasserstellen sowie Trainings zu Hygiene und dem Umgang mit Wasser. Ich denke, insbesondere in dieser Region ist die Förderung dieser Lebensgrundlage entscheidend wichtig.

Daneben unterstützen wir auch Bildungsprojekte in der Region. In 35 Zentren über die gesamte Diözese verteilt werden Kurse für Erwachsene im Lesen, Schreiben und Rechnen angeboten. Ebenso werden Themen wie Dürre und Bewältigungsstrategien, Krankheitsvermeidung, Menschenrechte, Frieden, Umweltschutz oder Führungsverhalten diskutiert. Unsere Projektpartner/innen berichten uns, dass die lokale Bevölkerung mehr und mehr ihre Rechte einfordert. Gerade vor dem Hintergrund der Ölfunde in der Turkana-Region ist eine gebildete Bevölkerung, die sich ihrer Rechte bewusst ist, sich an politischen Prozessen beteiligen und eigene Interessen einbringen kann, von besonderer Wichtigkeit. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 18%. Wenn du nicht lesen und schreiben kannst, haben Ölkonzerne und korrupte Regierungen ein leichteres Spiel mit dir.

All das erscheint im Moment zweitrangig. In der aktuellen Notsituation von Dürre und Wasserknappheit braucht es vor allem Trinkwasser und Nahrungsmitteln. Wasserquellen versiegen, Ernten fallen nahezu aus, Saatgut ist nicht erhältlich und Tiere verenden. Es ist ein Kampf ums Überleben. Denn wenn nicht jetzt sofort gehandelt wird, werden die Folgen dramatisch sein."

Ihre Spende zur Unterstützung der Turkana:

Turkana Männer stehen vor dürrer Landschaft.

Das Volk der Turkana ist von Dürre und Hunger bedroht.
Die Dreikönigsaktion bittet um Spenden:

BAWAG Empfängerin: Dreikönigsaktion
IBAN: AT23 6000 0000 9300 0330
oder online.
Verwendungszweck „Turkana“