„Wenn das Kraftwerk einmal fertig ist, wird es mein Dorf nicht mehr geben.“ Während die Andritz AG am 1. März die „Traumbilanz 2011“ mit hohen Gewinnen und einem noch nie dagewesenem Aktienhöhenflug feiert, bleiben die „Kollateralschäden“ ausgeklammert: Die Bedrohung tausender Existenzen und die Zerstörung einmaliger Naturräume.
Mitbeteiligt am Höhenflug der Andritz AG ist das 2011 an Land gezogene Monsterstaudammprojekt „Belo Monte“ am Rio Xingu, einem der letzten intakten Fluss-Systeme Amazoniens. Nach der Beteiligung am umstrittenen Ilisuprojekt in der Türkei bekam die Andritz AG 2011 den Zuschlag für die Lieferung der Turbinen für das Großprojekt „Belo Monte“. Für den Bau des drittgrößten Wasserkraftwerks weltweit soll mehr Erde ausgehoben werden als für den Panama-Kanal. Das Megaprojekt bedroht die Existenz von mehr als 40.000 Menschen, die am und vom Fluss leben; sie werden alles verlieren: ihre Häuser, ihre Felder, ihre Kultur.
Jetzt wendet sich Eliane Moreira Santos, eine Betroffene des Staudammprojektes aus Altamira (Bundesstaat Pará/Brasilien) mit einem offenen Brief direkt an den Geschäftsführer der Andritz AG mit der Bitte an den Konzern Herz und Verantwortung zu zeigen:
Altamira, Pará – Brasilien, 28.2.2012
Sehr geehrter Vorstandsvorsitzender der Andritz AG,
Ich möchte Ihnen zu den gewaltigen Gewinnen im Jahr 2011 gratulieren, der beweist, dass Sie hart gearbeitet haben und viel Geld verdient haben. Deswegen bitte ich Sie, zu bedenken, dass die Turbinen, die für den Xingu-Fluss gebaut werden, Leben zerstören.
Während die Zuteilung des Belo Monte Projektes Ihren Aktien einen Höhenflug bescherte, vernichtet er hier meinen Fluss, vertreibt die Fische, die meine Lebensgrundlage bedeuten, und zerstört meinen Wald und mein Dorf. Sie sagen, dass Sie meinem Dorf Fortschritt bringen, aber wenn das Kraftwerk einmal fertig ist, wird es mein Dorf nicht mehr geben. Sie haben nicht einmal gefragt, ob ich weiß, wo ich mit meiner Familie hingehen soll.
Ich will immer noch nicht glauben, dass Ihnen mein Schicksal und das meiner 40.000 Schwestern und Brüder egal ist. Daher appelliere ich an Sie: auch wenn der Bau des Kraftwerkes eingestellt wird, werden Sie noch genügend Geld zum Leben verdienen. Es wäre ein Zeichen für die ganze Welt, dass es noch Unternehmen gibt, die sich nicht auf Kosten von Menschenleben bereichern wollen.
Danke.
Eliane Moreira Santos – eine vom Staudammbau in Belo Monte Betroffene
„Die ganze Welt steigt bereits gegen den „Belo Monte“-Wahnsinn auf die Barrikaden! Erst im Jänner haben 233 Organisationen aus 29 Ländern an die Interamerikanische Menschenrechtskommission appelliert, für einen neuerlichen Baustopp einzutreten! Der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler, sowie Stars wie Sting, James Cameron und die Schauspielerin Sigourney Weaver stehen ihnen zur Seite. Für die Andritz AG zählen Profite anscheinend mehr als Einzelschicksale.“ empört sich Anna-Maria Hirtenfelder von der Dreikönigsaktion über die Ignoranz der Aktionäre.
„Noch ist es nicht zu spät! Im Namen von Eliane, im Namen aller Betroffen und von 233 Organisationen, die sich mit den Völkern am Rio-Xingu solidarisch erklären, appelliere ich an den Vorstandsvorsitzenden der Andritz AG, Wolfgang Leitner: Sie tragen persönlich Mitverantwortung für das Schicksal der 40.000 Menschen, die am Rio Xingu leben und deren Existenz bedroht ist. Schauen Sie nicht länger weg, beenden Sie aus ethischen Gründen ihr Belo Monte Engagement und machen sie aus der Andritz AG wieder ein Unternehmen, auf das wir Österreicherinnen und Österreicher stolz sein können.“ fordert Anna-Maria Hirtenfelder von der Dreikönigsaktion.
Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar unterstützt seit vielen Jahren Hilfsprojekte in Amazonien/Brasilien und steht den betroffenen Völkern am Rio Xingu im Kampf um die Erhaltung ihrer Heimat zur Seite.

„Wenn das Kraftwerk einmal fertig ist, wird es mein Dorf nicht mehr geben.“
Eliane Moreira Santos – eine vom Staudammbau in Belo Monte Betroffene