Kinder, die als Sternsinger verkleidet in ganz Österreich von Haus zu Haus gehen und um Spenden für Menschen in Not bitten, gehören heute zur Weihnachtszeit wie der Christbaum am Heiligabend. Doch obwohl die historischen Wurzeln des Sternsingens sich weit zurückverfolgen lassen, war dieser schöne Brauch bereits in Vergessenheit geraten, bevor er dank dem großartigen Engagement einiger Personen wiedergeboren wurde.
Vor 50 Jahren organisierte die Jungschar europaweit eine Lichtstafette, an der sich Katholische Kinderorganisationen aus 12 Ländern beteiligten und in einem Staffellauf das Licht aus Lourdes in 16 europäische Länder zu tragen. In Anlehnung an den Erfolg dieser Aktion entstand die Idee, den Brauch des Sternsingens in Österreich durch die Jungschar wieder aufleben zu lassen.
Über 3000 Euro konnten im Jahr 1955 bereits ersungen werden, wovon Motorräder für Missionare gekauft wurden. "Der eigentliche Erfolg der Aktion sollte aber nicht in erster Linie in der Geldsumme liegen, die da zusammenkam, sondern in der Wiederbelebung eines vom Aussterben bedrohten Volksbrauches, der künftig zur Sensibilisierung für fremde Not in der weiten Welt eingesetzt werden sollte." (Fritz Csoklich, 1951 bis 1954 Zentralführer der Bubenjungschar).
Bereits 1961 wurden die ersten Entwicklungshelfer der katholischen Jugend mit dem Geld der Sternsingeraktion in die Entwicklungsländer entsandt. Die Aktion "Jute statt Plastik" startete 1977 mit einem gerade heute wieder aktuellen Thema des fairen Handels mit der "Dritten Welt", um ökologisches Bewusstsein und persönliche Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
"Der Zeitpunkt war gekommen, dass die materielle Hilfe als Ausdruck unserer Solidarität nicht mehr genügt, sondern die Organisationen im Sinne der Anwaltschaft auch nachdrücklich ihre Stimme erheben müssen." Hieß es zukunftsweisend im Jahresbericht der Dreikönigsaktion 1985. Ein vielbeachteter Appell mit Forderungen nach einem Ende des Apartheid-Regimes in Südafrika und einem Verbot jeglichen wirtschaftlichen oder kulturellen Austauschs mit dem rassistischen Regime war die unmittelbare Folge.
Das Vertrauen in die Qualität der Arbeit der Jungschar bewies der Staat, als 1992 erstmals Projekte der Dreikönigsaktion vom österreichischen Staat mitfinanziert wurden.
Der faire Handel mit den Ländern der Dritten Welt bleibt ein wichtiges Thema. 1993 ist die Jungschar Mitbegründerin von Transfair, einem Verein, der den Handel mit Produkten aus dem Süden zu fairen Preisen fördert. Waren mit dem Transfair-Siegel finden wir heute auch in den großen Supermärkten Österreichs und sie genießen zunehmende Popularität in der österreichischen Bevölkerung.
Persönliche Beziehungen und kultureller Austausch mit den Entwicklungsländern haben sich immer wieder als für beide Seiten fruchtbar erwiesen. Die Dreikönigsaktion fördert dies seit 1997 auch durch Lerneinsätze, in deren Rahmen engagierte Personen die Projektregionen der Organisation kennen lernen.
Dank der anhaltenden Beliebtheit und des Engagements der Sternsinger, konnte die Dreikönigsaktion sich immer neuen Aufgaben widmen im Kampf gegen Armut und Unrecht und zur Förderung von Frieden und Verständnis. Die Dreikönigsaktion hat sich den stets wechselnden Anforderungen der Entwicklungspolitik gestellt. Mit Hilfe der österreichischen Bevölkerung sind wir bereit für die vielfältigen Aufgaben, die die Gegenwart noch für uns bereithält und die Zukunft bringen wird.
Sternsinger von Forchtenau 1955
Sternsinger schreiben an die Tür 1959
Sternsinger vor VW-Käfer
Sternsinger 1969
Mehr Infos zur Geschichte der Katholischen Jungschar: geschichte.jungschar.at