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Gold: Göttlicher Glanz und Schatten der Ausbeutung

Gold, Weihrauch und Myrrhe: der biblischen Überlieferung nach sind dies die Gaben, die die drei Weisen aus dem Morgenland dem neugeborenen Jesuskind bringen. Die Dreikönigsaktion hat Gold damit quasi in ihrer Gründungsurkunde stehen.

Gold – Symbol des Göttlichen und wertvoller Rohstoff
Das glänzende Metall hat Menschen seit jeher fasziniert. So ist es in vielen Religionen zum Symbol für das Göttliche geworden. Man denke nur an die indische Gottheit Lakshmi oder vergoldete Buddha-Statuen. Auch im Christentum hat es bald Einzug gehalten, trotz der Aufforderung Jesu an seine Jünger, kein Gold mitzunehmen (Mt 10,9): Kelche, Monstranzen, Ikonen, goldene Kuppeln. Gold ist ein knappes, wertvolles Gut. Goldbarren und Schmuck sind daher besonders in Krisenzeiten begehrte Wertanlagen. Goldene Eheringe stehen für die Treue der Eheleute. Heute hat fast jede/r von uns Gold in der Tasche – als einen von ca. 60 mineralischen Rohstoffen, aus denen Smartphones oder Handys produziert werden.

Gold weckt auch Unmenschliches im Menschen
Der Glanz des Goldes wird aber durch ungeheures Unrecht eingetrübt, das dem Edelmetall seit der Kolonialzeit in verstärktem Maße anhaftet. Die unselige Allianz, die die Kirche mit den Eroberern Lateinamerikas eingegangen ist, ist ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte. Papst Johannes Paul II. hat mit seiner Vergebungsbitte im Jahr 2000 ein wichtiges Zeichen gesetzt. Doch auch heute kann Gold Inbegriff für Ausbeutung, Plünderung, Zerstörung der Umwelt und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen sein.
Deswegen haben verschiedene Bischofskonferenzen in Afrika und Lateinamerika und auch Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato Si‘ auf die menschen- und umweltschädlichen Aspekte des Bergbaus  – und damit auch des Goldabbaus – hingewiesen. Papst Franziskus spricht diesbezüglich von einer „ökologischen Schuld“ zwischen dem Norden und dem Süden (LS 51).

Beispiel Ghana: der Einsatz von WACAM
Die Dreikönigsaktion steht Menschen bei, für die der Abbau von Gold zum Fluch wurde. In Ghana – als britische Kolonie trug es den vielsagenden Namen „Goldküste“ – unterstützen wir seit vielen Jahren die Organisation WACAM in der Verteidigung der lokalen Bevölkerung gegen negative Auswirkungen des Goldbergbaus. Aufgrund der reichen Lagerstätten wird Gold mittlerweile in weiten Teilen des Landes in großem Stil von globalen Bergbau-Konzernen aber auch informell und weitgehend unkontrolliert von Kleinschürfer/innen, sogenannten Galamsey Miners, abgebaut. Im Jahr 2014 waren es insgesamt fast 100 Tonnen Gold, was das kleine Land Ghana auf Platz 10 der weltweiten Goldproduzenten bringt. Die Auswirkungen auf die betroffene Bevölkerung und Umwelt sind massiv: Zwangsumsiedlungen und damit zusammenhängende Einschüchterungen und Gewalt. Das von Kleinschürfer/innen eingesetzte Quecksilber bzw. der Austritt von Zyanid bei großen Tagebauminen oder Abwässer der Abraumhalden verschmutzen das Wasser. Verseuchte Böden können nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden.

Prostitution, Drogen und Gewalt sind soziale Begleiterscheinungen in Bergbaugebieten. Auch sehr viele Kinder und Jugendliche arbeiten im Bergbau. Die Armut der Menschen hat dramatisch zugenommen.

Vor diesem Hintergrund hat WACAM bereits in den 1990er begonnen, sich für die Rechte der marginalisierten Bevölkerung und für Umweltschutz einzusetzen. In Konfliktfällen erhalten die Menschen rechtliche Begleitung und Unterstützung, um ihre Anliegen vor Gericht zu bringen. WACAM versucht Menschen in Bergbau-Regionen alternative Einkommensmöglichkeiten zu eröffnen und arbeitet dabei eng mit der lokalen Kirche zusammen.

Anwaltschaft für die Betroffenen
Die Bischofskonferenz von Ghana rief 2013 ihre Priester auf, in den von Bergbau-Aktivtäten betroffenen Gebieten „anwaltschaftliche Programme für Menschen durchzuführen und zu unterstützen, deren Land und Lebensgrundlagen durch diese Aktivitäten bedroht sind“.
Die Dreikönigsaktion ist auch in Österreich und Europa anwaltschaftlich aktiv. Gemeinsam mit anderen Organisationen haben wir uns für eine starke EU-Gesetzgebung eingesetzt, um die Finanzierung von bewaffneten Konflikten aus dem Geschäft mit „Konfliktmineralien“ zu unterbinden. Mit Fallstudien zeigen wir Problemlagen auf und fordern gesetzliche Bestimmungen ein, damit Unternehmen mehr Verantwortung für ihre Rohstoffeinkäufe übernehmen müssen. Eng damit verbunden ist auch unser Eintreten für die Rechte indigene Völker, weil oftmals reiche Erzlagerstätten in ihren Territorien gefunden werden und Begehrlichkeiten wecken.

Was kann jede/r von uns tun?

1. Vermeiden:  Muss die Anschaffung wirklich sein und wenn ja, muss es wirklich Gold sein oder kann man weniger problematische Materialien einsetzen?
2. Wiederverwenden: Alter Schmuck, alte liturgische Gefäße, Smartphones können recycelt werden. Ein Familienstück durch eine/n Goldschmied/in umarbeiten zu lassen, kann einem Schmuckstück auch einen besonderen symbolischen Wert geben und unterstützt heimisches Handwerk.
3. Faire/verantwortungsvolle Quelle:
Es lohnt sich auch beim Goldkauf nach der Herkunft der Rohstoffe und nach der „fairen Alternative“ zu fragen. Seit Kurzem sind FAIRTRADE Eheringe verfügbar (www.fairtrade.at/gold)  und auch am Handymarkt tut sich etwas: www.fairphone.com 
4. Kampagnen unterstützen, die sich für Verbesserungen in der Rohstoff- und Elektronik-Branche einsetzen. (u. a. www.dka.at/rohstoffe, www.electronicswatch.org

Goldabbau: Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen.(Foto: Seifert/Reisenberger)Goldabbau: Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen. (Foto: Seifert/Reisenberger)


Riesige Minen und Kleinschürfer/innen - Ghana schürft 100 Tonnen Gold pro Jahr. (Foto: Seifert/Reisenberger)Riesige Minen und Kleinschürfer/innen - Ghana schürft 100 Tonnen Gold pro Jahr. (Foto: Seifert/Reisenberger)


Die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind massiv. (Foto: Seifert/Reisenberger)Die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind massiv. (Foto: Seifert/Reisenberger)