Nachhaltig wirtschaften

Zwei Hände, die ein Tablet halten und daraus ragen schwarze umgestürzte Bäume, eine rauchende Fabrik und zwei Menschen mit Schilder

Unser Rohstoffhunger beutet aus


Billiger Zugang zu Rohstoffen steht hoch oben auf der politischen Agenda. In den Abbauregionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas gibt es schon jetzt massive schädliche ökologische und soziale Auswirkungen. Was tun, damit sich die negativen Effekte nicht weiter verschärfen, sondern ein gutes Leben für alle möglich wird?

Rohstoffpolitik: Parteiencheck zur Nationalratswahl

Die Rohstoffversorgung für die österreichische Wirtschaft zu sichern ist ein wichtiges wirtschaftspolitisches Ziel. Dass unser Rohstoffhunger in anderen Erdteilen massive Schäden verursachen kann, blitzt in einzelnen Medienberichten immer wieder auf. Die österreichische Rohstoffstrategie blendete globale Verantwortung beim Rohstoff-Einkauf aber bisher aus. Das Bündnis AG Rohstoffe hat deshalb im Vorfeld der Nationalratswahlen bei den wahlwerbenden Parteien nachgefragt, wie sie zur österreichischen Rohstoffpolitik und einzelnen konkreten Vorschlägen stehen.

Von acht österreichweit kandidierenden Parteien haben sechs die Fragen beantwortet. Alle sind sich einig, dass eine neue Strategie Themen wir Menschenrechts- und Umweltschutz sowie entwicklungspolitische Aspekte stärker berücksichtigen muss. SPÖ, NEOS, GRÜNE, KPÖ und WANDEL unterstützen konkrete Maßnahmen, wie den Beitritt öffentlicher Beschaffer zum Netzwerk  „Electronics Watch“, eine gesetzlich verbindliche Verankerung von menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten für globale Lieferketten und eine aktive Beteiligung Österreich am  UN-Prozess für ein verbindliches Abkommens zu Wirtschaft und Menschenrechten. Die ÖVP antwortet eher allgemein und präferiert eine weitere (Anm.: bislang rein freiwillige) Umsetzung von OECD-Leitlinien durch österreichische Unternehmen. Für allfällige verpflichtende Regelungen, müsse man sich die Sinnhaftigkeit für einzelne Sektoren ansehen und es sei auf eine international einheitliche Vorgehensweise sowie eine gute Handhabbarkeit für Unternehmen zu achten.  

Einig sind sich auch alle Parteien, dass Österreich sich in Richtung einer echten Kreislaufwirtschaft bewegen muss. Eine Steuererleichterung für Reparaturdienstleistungen können sich SPÖ, NEOS, GRÜNE, KPÖ und WANDEL vorstellen. Das absichtliche Einbauen von Schwachstellen in Produkte zur Verkürzung derer Lebensdauer gesetzlich zu verbieten, können sich die gleichen Parteien vorstellen. NEOS geben aber zu bedenken, dass in der Praxis schwierig zu unterscheiden ist, ob eine kurze Lebensdauer bewusst eingebaut oder durch billige Teile einfach in Kauf genommen wird. Mit Steuern lenkend auf eine Reduktion des österreichischen Rohstoffverbrauchs hinzuwirken, befürworten SPÖ, GRÜNE, KPÖ und WANDEL ohne Abstriche. Durch Reparieren eingesparten Rohstoffverbrauch finanziell an Re-Use-Betriebe zu vergüten, kommt SPÖ und NEOS in der Durchführung zu aufwendig vor – WANDEL, KPÖ und GRÜNE unterstützen die Idee.  

Die Grafik zeigt die Antworten der einzelnen Parteien im Überblick - die Fragen und Antworten in voller Länge finden sich hier.


Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft

Eine Spur der Hi-Tech-Verwüstung…

Wer die Kehrseite seines Smartphones kennen lernen will, muss zu den Minen nach Bolivien, Kolumbien, in den Kongo oder nach China reisen. Dorthin, wo Arbeiter ohne Sicherheitsausrüstung in tiefe Schächte heruntersteigen, wo die Luft staubig und heiß ist, und wo Tageslicht und Frischluft fehlen. Wo Menschen ohne ausreichende Schutzbekleidung an Fließbänder in chinesische Fabriken stehen, zusammen mit tausenden anderen, bis zu 16 Stunden am Tag, für einen Lohn, der nicht zum Leben reicht. Und man wird, am Ende seiner Reise, auf einen riesigen Berg Elektroschrott stoßen, ein Gutteil davon illegal exportiert. Und wiederum Menschen, die – zum Beispiel in Ghana – ohne den nötigen Schutz arbeiten und Platinen abbrennen, um einen Teil der Schätze zu bergen, die im E-Müll stecken. Die wertvollen Rohstoffe in Europa industriell aus den Altgeräten zu holen, lohnt sich wirtschaftlich derzeit noch nicht… 

Das Geschäft mit Elektronikprodukten boomt. Bis 2020 werden weltweit vier Milliarden Menschen einen PC und fünf Milliarden Menschen ein Mobiltelefon besitzen. Der weltweite Gesamtumsatz wird auf über 2 Billionen Dollar geschätzt. Die fortschreitende Digitalisierung unserer Gesellschaft, wie sie uns vorhergesagt wird, wird immer mehr Rohstoffe brauchen: Die deutsche Rohstoffagentur DERA hat den zu erwartenden Rohstoffbedarf von 42 Zukunftstechnologien analysiert. Fazit: Der Bedarf an Lithium, Seltenen Erden, Tantal, Germanium usw. wird durch die Decke gehen. Und bei all diesen Stoffen liegt die Recyclingquote heute noch unter einem Prozent!

Landschaftsbild mit Wolkenhimmel, einer Brücke und stark verschmutzten Fluss

Boliven: Das Trinkwasser in Bergbaugebieten ist massiv mit Schwermetallen belastet.

Mineneinfahrt mit Schienen und einem Zug

Die Minen halten sich kaum an Umweltgesetze.

Ein offener Kanister mit giftigen Chemikalien

Auch im Kleinbergbau werden giftige Chemikalien eingesetzt.